Geld verschicken wie eine E-Mail? Warum Kryptowährungen Sinn machen – und was Europa tun kann

Geld verschicken wie eine E-Mail? Warum Kryptowährungen Sinn machen – und was Europa tun kann
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Bargeldloses Zahlen ist bequem: Egal ob mit EC- oder Kreditkarte, immer mehr Geschäfte des täglichen Lebens erledige ich per Kartenzahlung. Meistens habe ich sogar kaum noch Bargeld in der Tasche – brauche ich welches, muss ich meist erst zum Geldautomaten. In Skandinavien kann man inzwischen sogar an jedem Kiosk die sprichwörtliche Packung Kaugummi mit Karte zahlen. Und im Internet ist sowieso PayPal dominierend. Aber Buchgeld hat gegenüber Bargeld natürlich auch einen gravierenden Nachteil: Es hinterlässt Spuren. Egal ob Sparkasse, AmEx oder PayPal: Der Zahlungsdienstleister kann genau nachverfolgen, was man wann wo für wieviel gekauft hat. Das gilt natürlich erst recht für den an diesen Informationen interessierten Staat. In den ersten EU-Staaten sind Bargeldzahlungen über 5.000 Euro bereits verboten.

Komfort für den Nutzer, Schutz vor Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Sozialbetrug stehen auf der einen Seite. Was aber ist auf der anderen Seite mit der Anonymität des Geldes? Bargeld sieht man es nicht an, woher man den Schein hat und wer ihn vorher hatte. Ob der 18-Jährige Romeo das Geld für das romantische Dinner mit Julia von der Oma hat oder sich mit einem Job selbst erarbeitet hat, kann man schlicht nicht anhand des ausgegebenen Geldscheines sagen.

Wohl aber bei elektronischen Zahlungen: Hier können Nachrichtendienste und Behörden, Banken und Kreditkartenfirmen alles spielend leicht nachvollziehen. Und wer will schon, dass etwa die Einkäufe im Sexshop auf der Kreditkartenabrechung erscheinen? Oder dass man anhand eben dieser Abrechnung zukünftig nahezu lückenlos nachvollziehen kann, wer wann wo war? Denn wenn Bargeldzahlungen immer unüblicher werden, dann hinterlassen wir alle natürlich umso mehr elektronische Spuren. Mit jedem einzelnen Bezahlvorgang, vom morgendlichen Busticket bis zum Abendessen. Zudem nehmen die üblichen Dienstleister ordentlich Gebühren, wenn man Geld international versenden möchte. Ob PayPal oder Western Union: Für den totalüberwachten internationalen Geldtransfer darf man auch noch horrende Gebühren zahlen.

Wäre es nicht schön, wenn man Geld weltweit so einfach verschicken könnte wie eine E-Mail? Und wenn das ganze gleichzeitig auch noch anonym wäre? Wenn es also so etwas wie digitales Bargeld gäbe?

Genau das ist die Idee hinter Kryptowährungen: Ob Bitcoin oder Dogecoin – Kryptowährungen kann man so einfach überweisen wie man eine E-Mail verschickt: Empfängeradresse und zu überweisenden Betrag eingeben, absenden klicken. Dabei sind die Empfängeradressen anonym und können nicht einer bestimmten Person zugeordnet werden. Ganz im Gegenteil: Jeder Nutzer kann beliebig viele Adressen generieren, so dass Zahlungen völlig anonym bleiben können. Oder anders gesagt: Kryptowährungen sind so etwas wie digitale Münzen: Der einzelnen Zahlung kann man nicht ansehen, wer hier wen bezahlt und wo das Geld vorher war – genauso wie bei traditionellem Bargeld.

Einfach gesagt: Will man die Anonymität und Vertraulichkeit von Bargeld ins digitale Zeitalter retten, will man die monetären Totalüberwachung also vermeiden, dann sind dezentrale Kryptowährungen der einzige gangbare Weg dazu. Denn sie kommen ohne zentralen Zahlungsdienstleister, ohne Banken und ohne Kreditkartenabrechnung aus.

Aus genau diesem Grund wird von manchen Zeitgenossen heftig Kampagne gegen Kryptowährungen gemacht. Übrigens mit vielen der gleichen „Argumente“, mit denen in den frühen 90er Jahren vor dem Internet gewarnt wurde: Viel zu technisch, kein Nutzen im wirklichen Leben, wird sich nicht durchsetzen, ein Hort der Kriminalität, rechtsfreier Raum.

Heutzutage weiß jeder, dass das im Bezug auf das Internet Quatsch war . In wenigen Jahren wird sich – das prophezeie ich hiermit – die Bewertung der Situation bei Bitcoin, Dogecoin & Co. genauso darstellen.

Wichtig ist aber, dass die Politik den neuen dezentralen Digitalwährungen keine Steine in den Weg legt. In einem Europa, in dem Finanzmarkt-, Geld- und Netzpolitik nahezu komplett auf europäischer Ebene gemacht werden, geht es bei den kommenden Europawahlen auch um die Rahmenbedingungen für Kryptowährungen. Denn so mancher möchte die aufkeimenden Kryptowährungen am liebsten mit Reglementierung, „Verbraucherschutzvorschriften“ und Verboten ersticken. Das aber wäre ein historischer Fehler.

Wir brauchen auch in der Welt des 21. Jahrhunderts die Möglichkeit, Bargeld zu nutzen. Und das geht nur mit den gerade aufkommenden digitalen Kryptowährungen. Europa darf sich hier nicht selbst ins Bein schießen und aus Aktionismus heraus diese vielversprechende Entwicklung unter politischen Generalverdacht stellen. Dezentrale Digitalwährungen sind weder unseriös noch verdächtig, sondern schlicht neu.

Wer etwas anderes behauptet, druckt wahrscheinlich auch noch „das Internet“ aus.



Kernthese


Top 3 Contra

Contra Argument schreiben

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Top 3 Pro

Pro Argument schreiben

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